Wahltestterror – Selber denken macht schlau!

Welche Partei soll ich wählen?[1] Welcher Typ Diktator[2]/ Extremist[3] bin ich? Und was für ein Junge passt zu mir?[4] Alles Fragen, die sich mit ein paar Klicks heute ganz leicht beantworten lassen.

Und um das gleich vorweg zu nehmen: Ich sollte die Linke wählen, wäre eine eher talentfreie Diktatorin mit kurzer Amtszeit, was zu meinem Extremist*innen-Dasein passt: arbeitslos. Und dank Bravo weiß ich jetzt endlich, dass ich auf coole Jungs stehe. Jetzt kann im Leben ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Eigentlich. Denn das Ergebnis des Wahl-o-Mats betrachte ich eher mit Skepsis. Oder vielleicht betrachte ich den Wahl-o-Mat als Ganzes mit Skepsis.

Aber was haben all diese genannten und unzähligen weiteren Seiten mit ähnlichen Anliegen gemeinsam? Mal abgesehen davon, dass die veröffentlichten Ergebnisse einem ungefragt die Facebook-Pinwand zuspamen? Offensichtlich scheinen sie ja elementäre Bedürfnisse der Menschen zu bedienen, in Anbetracht dessen, wie umfangreich sie genutzt werden.

Früher Wahrsager*in heute Wahl-O-Mat? Im Prinzip das gleiche. Zumindest was die Bedürfnisbefriedigung nach „Antworten“ angeht. Wir wollen, dass jemand in uns hineinschaut, uns sagt, was da ist, und daraufhin, was wir zu erwarten haben und wie wir entsprechend handeln sollen. Ein bisschen erinnert das Ganze dann sogar an Online-Partnervermittlungen. Da wird fix ein Fragebogen ausgefüllt und man bekommt seine „Traum-Partei“ präsentiert. Kennen-lernen erübrigt sich dann, man passt ja zueinander.

Jaja schon klar, alles nur Spaß und Selbstironie (außer die Bravo-Psychotests – die sind total ernst!). Das fällt mir aber doch schwer zu glauben ob der vielen Posts, die durchaus stolz die Ergebnisse präsentieren. Ob man nun zum stalinistischen Diktator neigt oder einfach nur in die Welt posaunen muss, wo ganz genau auf der partei-politischen Landkarte der parlamentarischen Demokratie man sich verortet. Oder der Computer einen verortet.

Zugegeben, die Welt ist schwierig und unübersichtlich. Vor allem die Politik. Und der Mensch neigt ja eh zur Vermeidung von zu viel kognitivem Aufwand. Soll heißen: Denken ist anstrengend, darum sind wir um jede Hilfe dankbar, die uns dabei was abnehmen kann. Merken braucht man sich heute eh nix mehr, dank „let me google this for you“[5]. Die Frage ist eigentlich, warum wollen wir uns denn nicht ernsthaft mit den Forderungen und Programmen der Parteien auseinandersetzen und lassen das lieber einen Computer-Algorithmus machen. Politische Meinungsbildung im direkten Gespräch ist sicherlich anstrengender und aufwendiger. Und birgt die Gefahr, dass man beim Gemeinsamdenken noch auf andere Ideen kommt, was genau denn die Probleme der Zeit sein könnten und ob es über den ewig gleichen Kanon der Antworten der herrschenden Parteien nicht doch auch noch andere Möglichkeiten gäbe. Meiner recht fundamentalen Kritik an Wirtschaft und Gesellschaft jedenfalls tragen die Tests nicht Rechnung oder lassen mich auch nur ansatzweise auf die Idee kommen, dass ich eine solche Kritik haben könnte.

Das Kreuz muss man am Ende aber doch alleine machen, oder sich entscheiden, es nicht zu machen. An dieser Stelle sei vielleicht für alle, die ihre Wahl-O-Mat Ergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, angemerkt, dass es nicht notwendig ist, eure fotografierten Wahlzettel ebenfalls auf Facebook zu posten.

Zum Schluss bleiben mir noch einige offene Fragen, allen voran: Kann man den Wahl-O-Mat eigentlich einfrieren? Und dann: Könnte man ihr wieder auftauen. Und will man das? Hmm, let me google this for you…

 

P.S.: Und was genau wird eigentlich mit den Umfragedaten da gemacht? Ziemlich einfacher und kostengünstiger Weg, Millionen von Datensätzen zusammen zu bekommen. Ich würde mal stark davon ausgehen, dass die Uni Konstanz sich das zum Beispiel nicht entgehen lässt, die im Partei-Navi gesammelten Fragebogensätze auch noch auszuwerten. Dazu findet man allerdings weder beim Start noch am Ende der Befragung keine Hinweise. Aber auch kein Hinweis, dass die Sachen nach Beendigung direkt wieder gelöscht werden, nur dass persönliche Angaben anonymisiert werden. Na immerhin. Nett wäre es ja trotzdem, transparent zu machen, was mit den Antworten passiert.

 

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3 Responses to Wahltestterror – Selber denken macht schlau!

  1. Wal says:

    lol, Wahlomat These 22:
    Das gesetzliche Renteneintrittsalter soll wieder gesenkt werden. SPD: JA!

  2. Thomas says:

    Die Umfragedaten des Diktatorchecks werden nicht zu irgendeinem Marketing-Unfug weiter ausgewertet. Es wird nicht einmal eine IP o.ä. abgespeichert. Es handelt sich um eine privat erstellte Seite. Was passieren kann: Aus dem Berg an Ergebnissen folgt eine Auswertung im Sinne von: „39% der Befragten halten Apple-User für ein Feindbild“ – das ist auch schon alles. Diese Auswertung wird allerdings nicht verkauft, sondern einfach als kleiner Spaß am Rande veröffentlicht. Personenbezogene Daten werden innerhalb der Umfrage nicht erhoben.

    Problematischer ist die Tatsache, dass ich auf der Seite Google Analytics laufen lasse. Das sehe ich durchaus als problematisch, aus einigen Gründen allerdings auch als notwendig an. Leider handhaben das mittlerweile zahllose Webmaster so. Gerne können wir darüber diskutieren. Abstimmungsverhalten und Umfrageergebnisse selbst sind für Google nicht auslesbar.

  3. Geferson says:

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