Wie umgehen mit der „Neuen Rechten“ und ihrer Kommunikationsstrategie?

Die deliberativ orientierten Akteure innerhalb der deutschen Diskurslandschaft tun sich aktuell schwer mit der Auseinandersetzung zu PEGIDA, AFD und sonstigen Wutbürger*innen mit ihren teilweise verhetzenden Falschaussagen in der sogenannten „Gegenöffentlichkeit“. Diskussionsplattformen innerhalb sozialen Netzwerke und Print-/Online Medien spielen für dieses Soziotop eine Art Ideologiepool zur Selbstbestätigung der eigenen Vorurteile. Hier können sie recht ungestört und systematisch mit gezielter Desinformation aufwarten, die als Ausdruck eines deutschnationalen „Erwachens“ und „unterdrückte Wahrheit“ präsentiert wird. Dabei vermischen sich Angst, Emotionen und Gruppendynamiken, die den zeitweisen Protest-Erfolg eines solchen Vorgehens begründen. Warum tut sich die öffentliche Gegendarstellung trotz der offensichtlich haarsträubenden Verschwörungstheorien und Behauptungen trotzdem so schwer mit der Dekonstruktion des hier gepflegten Menschenbildes?

Zunächst sind die Rechtspopulisten nicht an einem Diskurs interessiert. Ihnen geht es um die Deutungshoheit von Ereignissen. Den Rechten geht es nicht um das Eingehen auf Argumente. Vielmehr vermischen sich Gefühle und Haltungen mit bestimmten Ereignissen, die unter der Aufgabe sämtlicher Rationalität zu einer Art dauerhaftem Hate Speech Shitstorm führt. Doch was sind die Antworten auf dieses Vorgehen?

Zunächst muss klar sein, Popuslismus wird nicht durch Populismus enttarnt. Es gibt in Deutschland eine Tradition des Antiintellektualismus, die es oft schwer macht wirklich an die die Überlegungen deliberativer Theorien zu glauben. Aber wer glaubt Parolen ohne Argumente mit eigenen Parolen aufwiegen zu können, liegt falsch. Der Aggressivität des Rechtspopulismus muss mit einer stringenten und gern auch deutlich-durchsetzungsstarken Argumentationsstrategie begegnet werden, die kurz, verständlich und zielgerichtet die Offenlegung der Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit dieser Personenkreise offenlegt. Dieses Vorgehen muss durch Journalismus, Zivilgesellschaft oder Politik mit aller Kraft angegangen werden. Es darf nicht sein, dass der Rechtspopulismus die öffentliche Debatte dominiert, immerhin sind selbst zu aktuellen Hochzeiten nur 10% der Wähler*innen von der AFD überzeugt. Es ist eine laute, gefährliche aber tatsächlich nicht dominierende Minderheit, die durch ihr Verhalten mediale Aufmerksamkeit generiert, die ihr überhaupt nicht zu steht. Der „Opfermythos“ der Unterdrückung in der öffentlichen Debatte ist haarsträubend und muss systematisch enttarnt werden. Nur so kann die Realität auch wieder in die öffentliche Wahrnehmung einziehen.

In Zeiten gefühlter politischer Führungslosigkeit und gefühlter Unsicherheit bleibt gegen diese Gefühle nur der Anker einer gefestigten Debattenkultur, die sich gegen Verleumdungen und Hetze stellt. Gerade die nach journalistischen Kriterien arbeitende Presse hat in der Bekämpfung dieser Entwicklungen eine bedeutende Rolle. Zunächst nselbst direkt angegriffen und verleumdet, um in der Diskussion um die „Wahrheit“ diskreditiert zu werden, hat hier aber bereits nach den ersten Schock-Monaten ein guter Mechanismus gegriffen. Immer wieder wird in überregionalen wie lokalen Zeitungen auf Gerüchte eingegangen, diese widerlegt und eigene Falschmeldungen, die immer wieder vorkommen werden, kritisch reflektiert und richtig gestellt. Journalist*innen verfügen dabei über die strukturellen Ressourcen und Reichweite diese Falschmeldungen der Hetzer*innen aufzudecken. Dies bedingt aber auch eine Verantwortung diesbezüglich tätig zu werden und sich selbst nicht durch Anfeindungen einer lauten Minderheit in die Ecke drängen zu lassen. Der etablierte und freie Journalismus ist in diesem Sinne aktuell notwendiger denn je und bewährt sich einmal mehr als tragende Instanz der Demokratie. Er kommt seiner Aufgabe nach, Fakten zu liefern und diese zu interpretieren und gerade das macht ihn im Denken der sogenannten Neuen Rechten zum Feind. Denn diese wollen nicht nur die Interpretation von Ereignissen definieren, sie wollen die „Wahrheit“ selbst definieren, was ein Ausdruck totalitären Denkens genauso wie eine Entrückung vor der Realität darstellt. Die freie Presse, die von den teilweise Überzeugten AnhängerInnen, teilweise von den MitläuferInnen bestimmter Milieus als „Lügenpresse“ diffamiert wird, muss sich gerade deshalb ihrer Rolle als wehrhafter Teil der Demokratie bewusst sein. Vielerorts scheint dies bereits zu funktionieren, eine realistische eine Einordnung der Bedeutung der PEGIDA Demonstrant*innen, AFD usw., scheint aber nach wie vor nötig.

Ein besonderer Höhepunkt in dieser Debatte war die Auseinandersetzung um die Teilnahme an Talk-Show Formaten mit der AFD in den anstehenden Landtagswahlkämpfen. Entgegen aller Gepflogenheiten erkämpfte sich die nicht in den Landtagen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg vertretene AFD Plätze auf Podien der Senderanstalten mit ihrer marktschreierischen Benachteiligungsrhetorik. Dies ist ein Erfolg, der deutlich macht, dass die Medien (und eine panische CDU/CSU) einer Minderheit aufgrund ihres aggressiven Auftretens in der öffentliche Debatte Raum geben, der Ihnen eigentlich nicht zusteht. Wichtig wäre nun eine klare politische Haltung und Richtungsvorgabe ganz unabhängig von der Entscheidung für oder gegen ein „diskutieren“ mit diesen Personenkreisen. Wie oben beschrieben mag eine Diskussion mit AFDler*innen inhaltlich wenig zielführend sein. Sie wollen keine Argumente austauschen, sondern Populismus verbreiten. Aus politischen Talk-Shows ist bisher selten wirklich eine Überzeugung des politischen Mitbewerbers oder Gegners entstanden. Von daher ist hier eher eine Präsentation von Inhalten der Fokus. Bei aller Berechtigung der Kritik an der Möglichkeit der Selbstdarstellung durch die AFD muss sich aber die Frage gestellt werden, ob eine Selbstpräsentation dieser Partei bei guter eigener Vorbereitung vielleicht nicht doch für ihren Rechtspopulismus eher zersetzend wirkt. Höckes Fähnchen auf dem Talk-Show Sessel oder die Chile Verschwörungstheorie der Nazi-Enkelin Beatrix von Storch („Wir sollten uns wieder an den Werten unserer Großväter orientieren!“ – ernsthaft?) sind entlarvend bis lächerlich. Die Frage ist wohl nicht ob, sondern wann die sonstigen Teilnehmer*innen und Moderator*innen dazu in der Lage sind, diesen Populismus vor Ort in solchen Konzepten weitreichend zu entzaubern. Trumps Ausstieg aus für ihn möglicher Weise kritischen Diskussionsrunden aus Angst vor einer JournalistIn zeigt hier bereits Perspektiven, den Rechtspopulismus aus dem öffentlichen Diskurs auf den ihm zugehörigen Platz zu verweisen.

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8 Responses to Wie umgehen mit der „Neuen Rechten“ und ihrer Kommunikationsstrategie?

  1. http://www./ says:

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  3. http://www./ says:

    Hallo,ich habe das Plugin für die automatische Rechnungserstellung gekauft und installiert.. leider sendet er keine PDF mit.. Kann mir jemand helfen?

  4.   October 25, 2011I agree with your idea of more elaboration as a second type of glossary. This one is to get on one line on what we all think are the main elements of the Action (e.g. accessibility and instruments). In e-mails and meetings these terms seem to have a wide range of understandings and we need to get a common denominator to keep the Action moving forward. Could you then respond to the terms here (or propose new ones) with a common denominator view? With the note that more nuance will come in a later stage?

  5. We chose the pizza margherita, with olive oil, plum tomato, fresh basil and a blend of cheeses. I’d heard great things about this place, and it certainly didn’t disappoint- all the ingredients were fresh and flavorful, and the crust was pretty good as well. It’s definitely one of the better pizzas I’ve had, but it still doesn’t compare to Zero Otto Nove

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