Gedanken zum Equal Pay Day – oder zur Frage: Warum verdienen wir unterschiedlich viel?

Der diesjährige Equal Pay Day findet am 21. März 2013 statt. Das ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland arbeiten müssen, um den gleichen Lohn zu bekommen, den Männer unterm Strich bereits am 31.Dezember 2012 verdient haben. Heißt also – und das ist mittlerweile weitläufig bekannt – Frauen verdienen im Durchschnitt 22 % weniger als Männer. Das bezieht sich auf alle Bruttolöhne und ist damit unbereinigt. Und das heißt jetzt genau?

Naja, wenn am Ende des Jahres alle Jahreseinkommen von Frauen über alle Berufe und Beschäftigungsverhältnisse hinweg zusammen genommen und daraus der Durchschnitt gebildet wird, dann ist dieser Durchschnitt 22 % geringer als der Durchschnitt aus allen Jahreseinkommen von Männern. Diese 22%, die sogenannte „gender pay gap“, wird gerne auch mal ausgelegt als der Lohnunterschied, der bei gleicher Arbeit und Qualifikation zwischen Männern und Frauen vorhanden ist. Das stimmt so nicht, denn bei diesem Lohnunterschied würde es sich um den bereinigten Wert handeln, der auch noch bei  wohl ca. bei 8% liegt. Dieser bereinigte Wert lässt sich wohl auch schwerer ermitteln und bleibt eher bei Schätzungen. Skandalös sind beide Werte wohlgemerkt, dennoch ist es wichtig, hier für die Analyse von Ursachen sorgfältig zu unterscheiden.

Beginnen wir mit der Frage nach dem Zustandekommen der 22 Prozent, da das die Zahl des Aktionstages ist. Die naheliegenden Erklärungen hier sind die folgenden und sind oben auch schon angedeutet: Frauen arbeiten häufiger (familienbedingt) nicht Vollzeit, Unterbrechungen zur Pflege von Kindern und Angehörigen nehmen ebenfalls eher Frauen in Kauf. Gerne wird auch angeführt, dass Frauen eben häufiger in sogenannten „sozialen“ Berufen tätig sind, also als Kranken-, Alten- oder Kinderpflegerin, und die seien nun mal häufig eher schlecht bezahlt – selber schuld, wenn frau sich für diese Richtung entscheidet? Aber momentemal, warum eigentlich? Warum verdient die Pflegerin mit gleichem Schulabschluss, gleicher Ausbildungsdauer und überhaupt, weniger als der ausgebildete Arbeiter in der Metallbranche zum Beispiel? Beide arbeiten körperlich schwer, beide übernehmen Verantwortung und leisten wichtige Beiträge. Und trotzdem ist der Beruf der Pflegerin gesellschaftlich in den Köpfen näher dran an der unbezahlten häuslichen Reproduktionsarbeit und damit wohl irgendwie eh keine richtige Arbeit, wonach die Notwendigkeit zur (angemessenen) Entlohnung weniger sinnfällig scheint. Das Argument, Frauen würden sich eben selber für die schlechter bezahlten Berufe entscheiden, empört mich auch darüber hinaus. Nicht nur, dass sich die Katze offensichtlich in den Schwanz beißt: Frauen verdienen weniger, weil sie häufiger in sozialen Berufen arbeiten, aber soziale Berufe werden auch schlechter bezahlt, weil es „Frauenberufe“ sind. In diese „Frauenberufe“ werden Mädchen und Frauen auch gesellschaftlich hineingedrängt. Weil sie mitfühlend, umgänglich, besorgt und umsorgend sind – oder eher gesellschaftlich dazu gemacht werden. Die Zuschreibung, wie man als Frau zu sein hat, geschieht gesellschaftlich und passt ganz wunderbar zu eben diesen sozialen Berufen. Die gesellschaftlichen Zuschreibungen „analytisch, un-emotional/ rational, durchsetzungsfähig“ verbinden das Männliche mit den technischen

(besser bezahlten) Berufen. Mädchen und Frauen ergreifen solche Berufe deswegen weniger, weil ihnen die Gesellschaft suggeriert, dass sie dafür nicht gemacht sind. Selbst wenn sie sich in die Richtung solcher Berufszweige orientieren, stoßen sie auf Widerstände  durch die Barrieren in den Köpfen ihrer Gegenüber aufgrund solch weit verbreiteter Ansichten.

Und der andere Wert? Die 8 Prozent, von denen mensch seltener in der Debatte was hört? 8 Prozent weniger Stundenlohn bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit! Diskriminierung! Oder doch nur wieder Schuld der Frauen, weil sie in den Gehaltsverhandlungen schüchterner, zurückhaltender, bescheidener sind? Kurz drüber nachgedacht – NEIN! Wohl doch eher Ergebnis langewährender Unterdrückung im kapitalistisch patriarchalen System. Seit Männer und Frauen im Zuge der industriellen Revolution auf denselben Arbeitsmarkt strömten, bekamen sie unterschiedliche Löhne. Wohl mit dem Hintergedanken, Frauen würden weniger leisten können; gerne auch mit der Begründung, die Männer hätten Familien zu ernähren, für Frauen wäre die Arbeit nur Zubrot. Die unterschiedliche Bezahlung von Männern und Frauen ist und bleibt ein deutliches Anzeichen für die der Gesellschaft zugrunde liegenden Herrschaftsstrukturen. Diese Mechanismen zeugen von andauernder Unterdrückung. Diese zu thematisieren ist am Equal Pay Day ebenso nötig, denn er kann nicht losgelöst von weiter reichenden gesellschaftlichen Analysen betrachtet werden.

P.S.: Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern ist übrigens nicht die einzige „pay gap“, die es sich zu betrachten lohnt. Ähnliche und teils sogar dramatischere Unterschiede gibt es zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Deutschland. Die Zahlen hier sind weit weniger präsent in der öffentlichen Debatte.

This entry was posted in Allgemein, Gleichstellung, Kapitalismus- / Gesellschaftskritik. Bookmark the permalink.

One Response to Gedanken zum Equal Pay Day – oder zur Frage: Warum verdienen wir unterschiedlich viel?

  1. Miri AM says:

    Abgesehen davon dass der halbe Artikel ein Abklatsch des vorigen Artikels von Jessica Rauch ist,(zumal auch einzelne Sätze einfach abgeschrieben worden sind, ohne jegliche Zitatangabe- Schavan 2.0?) finde ich ihn gar nicht mal so schlecht. Es ist wichtig dass dieses Thema in unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommt, allerdings sollte man das Problem an sich, nicht mit den eigenen Beziehungsemotionalitäten und dem stereotypischen Verhalten des eigenen Freundes verwechseln. Als Frau tut man gut daran sich selbst nicht so herabzuwürdigen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.