Frech, knallrot und wild entschlossen!

Ein Gastbeitrag von Sebastian Finsel, ehemaliger Juso-Schüler

Über den Wert der SchülerInnenarbeit

Ich war 18 Jahre Juso. Ich bin es inzwischen seit fast einem Jahr nicht mehr. Do I miss it? Yes… Aber darum soll es hier ausnahmsweise mal nicht gehen. Wenn ich über die ganze Juso-Zeit zurückschaue, dann lande ich in meinen Gedanken nämlich immer wieder an einem Punkt, der meine Juso-”Karriere” ganz entscheidend geprägt hat: meine Zeit mit den Juso-SchülerInnen. Und deshalb möchte ich – auch weil anscheinend bis heute nicht alle den besonderen Wert der SchülerInnenarbeit erkannt haben – heute einmal ein kleines Plädoyer für diesen wichtigen Teil des Verbands halten.

Die Juso-SchülerInnen als eigenständiger Teil des Juso-Verbands erfüllen gleich mehrere wichtige Funktionen, auf die eine effektiv arbeitende Jugendorganisation nicht verzichten kann. Klar, Bildungspolitik kann man auch woanders diskutieren. Aber wer so denkt, der verkennt, dass SchülerInnenarbeit eben viel mehr ist als nur Bildungspolitik. Juso-SchülerInnengruppen machen Politik von SchülerInnen für SchülerInnen. Damit stellen sie ein niedrigschwelliges Einstiegsangebot dar und sind sehr häufig erster Anlaufpunkt für junge Menschen mit Interesse an Politik. Die Lebensrealität einer Schülerin oder eines Schülers unterscheidet sich in vielen Punkten von denen eines/einer Werktätigen oder eines/einer Studierenden. Der Tagesablauf ist geprägt durch die Schule. Aus dieser besonderen Perspektive entsteht auch eine besondere Sichtweise auf bestehende Probleme, und zwar nicht nur im Mikrokosmos Schule.

Die Funktion der Juso-SchülerInnen ist also eine duale: erstens sind sie Vorfeldorganisation der Jusos direkt an den Schulen, zweitens sind sie eine Interessenvertretung von SchülerInnen, sowohl im Verband als auch in Schule und Gesellschaft. In Anbetracht dieser bedeutenden Funktionen erscheint es mir immer wieder merkwürdig, das (teil-)autonome SchülerInnenstrukturen in Teilen des Verbands immer noch umstritten sind. Zumal ja die politische Konkurrenz mit der SchülerUnion eben solche Strukturen sehr erfolgreich nutzt (allerdings ohne den emanzipatorischen Anspruch, den die Juso-SchülerInnen verfolgen). Und auch die Hochschulgruppen zeigen, dass eine Organisation die sich an spezifischen Lebenssituationen ausrichtet erfolgreich arbeiten kann.

“Frech, knallrot und wild entschlossen” war damals, zu meiner Zeit, der Slogan der Juso-SchülerInnen. Er beschrieb ganz gut unser Selbstverständnis. Wir wollten nicht, wie die brave SU, hauptsächlich ein Partyclub sein. Wir wollten Dinge ändern. Wir haben Arbeit in den SchülerInnenvertretungen organisiert, Seminare, Demonstrationen. Und SchülerInnenkongresse. Ich glaube der niedersächsische SchülerInnenkongress 1995 in Langenhagen (organisiert von der Landes-JSG) war für mich eine ganz wichtige Sache. Vorher war ich zwar schon fast zwei Jahre im Unterbezirk aktiv – aber dieser Kongress hat mich erst richtig “aktiviert”. Für den nächsten Kongress, 1997 in Celle, war ich dann selbst organisatorisch verantwortlich. Es war gleichzeitig mein Abschied aus der SchülerInnenarbeit – aber ich ging mit einem tollen Kongress und gut qualifiziert für die weitere Arbeit im Verband.

Fazit? Die Jusos brauchen starke, unabhängige SchülerInnenstrukturen. Dies sind die Juso-SchülerInnen-Gruppen. Diese weiter aufzubauen, zu unterstützen und ernst zu nehmen ist ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Verbandsarbeit.

Seid nett zu euren Schülis! Sie sind die Zukunft des Verbands!

( http://finsel.wordpress.com/2013/01/29/frech-knallrot-und-wild-entschlossen/ )

 

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