Es geht um Liebe

Tobias Mittmann // www.jugendfotos.de

Eigentlich ist es eine Sensation. Seit Wochen, ach was, Monaten wird die Diskussion um die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare und eingetragen Lebenspartnerschaften in den Medien hochgekocht. Seit Monaten wird über „die wilde 13“ in der CDU-Bundestagsfraktion berichtet, die sich für die steuerliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften einsetzen. Jedes Mal, wenn ich die Zeitung aufschlage und wieder eine Schlagzeile zum Thema lese, bin ich irritiert. Seit wann interessiert es Medien und Bevölkerung was ein paar Prozent der Bevölkerung wollen und dass sie mehr Steuern zahlen als der Rest. Und dann auch das noch! Sogar unsere – sonst nicht gerade für emanzipatorische Politik bekannte – Bundesfamilienministerin Kristina Schröder unterstützt die fortschreitende Gleichstellung von homosexuellen Paaren. Irgendwie schon ironisch, denn sonst wünscht man sich immer, dass sich Schröder mit ihren Vorschlägen nicht durchsetzt. Aber egal. Was zählt, ist folgendes: Die fortschrittlichen Kräfte in der CDU sind grandios gescheitert. Die „Christ“-Demokrat*innen haben auf ihrem Bundesparteitag im Dezember 2012 in Hannover die Gleichstellung im Steuerrecht mit breiter Mehrheit abgelehnt. Damit steht die CDU weiterhin für offene Diskriminierung von Menschen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen.

Das sollte uns Sozialdemokrat*innen eigentlich freuen, denn letztlich wird nur bestätigt, was wir schon immer wussten: Echte Gleichstellungspolitik; das geht nur mit der SPD. Das Problem an der Geschichte ist nur, dass es nicht zufrieden stellen kann, darin bestätigt zu werden, dass man selbst eigentlich Recht hätte. Denn letztlich bedeutet das Nein der CDU zur Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften nur, dass wir weitere Jahre in der Gleichstellungspolitik verlieren.

Am liebsten möchte man doch Angela Merkel an den Schultern packen und rütteln. „Angie! Aufwachen, wir haben 2012!. Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transmenschen. Das ist doch inzwischen nichts Neues mehr!“. Doch was würde das bringen? Es gibt ja noch die Ehe. Die Ehe, das hat was mit Männern und Frauen, genauer mit der Kombination aus Vagina und Penis, zutun. Ein weiteres Argument der Konservativen ist, dass zu einer Ehe zweifelsohne auch Kinder gehören. Das war 1950 meistens so. Heute hat Ehe nichts mehr mit Kindern zu tun. Zumindest nicht zwingend. Aber das ist gar nicht das Problem. Wenn Angela Merkel meint, dass zu einer Ehe Kinder gehören, dann ist das halt so. Auch, wenn sie selbst ein guter Beweis dafür ist, dass eine Ehe heute nicht immer Kinder mit sich bringt. Aber weißt du was Angie? Kannste behalten. Ehe, Penis, Vagina. Kannste alles behalten!

Ich will gar keine Ehe. Und da bin ich nicht alleine. Viele heterosexuelle Paare möchten sich nicht mehr im christlichen Konstrukt Ehe binden. Was sie aber wollen, ist Verantwortung füreinander übernehmen, im Krankenhaus schnellen Zugang zueinander zu haben, falls mal etwas passiert und sie wollen finanziell nicht schlechter gestellt werden als andere Paare. Deswegen ist es viel sinnvoller die eingetragene Lebenspartnerschaft für Heterosexuelle zu öffnen. Das würde sicherlich viele heterosexuelle Paare ansprechen und besser zu ihren atheistischen Lebensrealitäten passen. Es kann dann aber nicht unser Ziel sein, den im Grundgesetz verankerten Schutz der Ehe, um einen besonderen Schutz der Lebenspartnerschaft zu erweitern. Viel mehr benötigen wir eine Formulierung, die Kinder in den Mittelpunkt stellt. Das kann ich aber hier nicht weiter ausführen.

Allerdings bringt uns das zum nächsten Problem: Ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ist längst nicht in Sicht. Durch den neuerlichen Beschluss der CDU haben wir Jahre verloren. Es ist doch völlig klar, dass sich, sollte es keinen kompletten Regierungswechsel geben nach der Bundestagswahl 2013, eine CDU in Regierungsverantwortung nicht zu einer Gleichstellung durchringen wird; zumindest nicht in der Geschwindigkeit, in der wir die Gleichstellung bräuchten, nämlich sofort. Deswegen bedeutet das Nein der CDU zur steuerlichen Gleichstellung in letzter Konsequenz, dass Homosexuelle, die heute Mitte 20 sind, höchstwahrscheinlich keine Kinder adoptieren werden können, sollte die CDU weiterregieren. Adoptionsprozesse sind langwierig und bedeuten eine hohe emotionale Belastung.

Dabei werden nicht nur die persönliche Lebensplanung und ein Kinderwunsch von gleichgeschlechtlichen Paaren entscheidend beeinflusst. Es vergehen Jahre, in denen Kindern, die aus verschiedenen Gründen keine Familie haben, nicht in einer geschützten Umgebung mit Bezugspersonen aufwachsen. Es geht darum, dass gleichgeschlechtliche Paare ihre Zuneigung zueinander auf eine dritte, vierte und fünfte Person übertragen können und Kindern, mit teils schwieriger Vergangenheit, helfen können ein Zuhause zu bieten,.

Warum geht es also bei der Gleichstellung von homosexuellen Menschen? Es geht darum, dass Menschen die Freiheit genießen können, ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten. Es geht darum, dass die Gleichheit aller Individuen in einer Gesellschaft Realität werden kann. Es geht um Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen und daraus resultierend gleiche Rechte und Pflichten wahrnehmen wollen. Es geht um Kinder, denen ein zu Hause geboten werden kann. Es geht um Geborgenheit und Zugehörigkeitsgefühle. Doch bei all den politischen Diskussionen, bei allen Vorwürfen und Meinungen dürfen wir nicht vergessen, worum es letztlich geht: Es geht um Liebe.

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