„Elternunabhängiges BaFöG ist viel zu teuer und ungerecht“ – Achja?

Ein Beitrag unseres neuen Redaktionsmitglieds Ilja Kantorovitch

Die Verfechter des elternabhängigen BaFöGs argumentieren oft und gerne, dass es zielgerichtet wirkt und daher effizient und gerecht sei, da nur die diese Leistung erhalten, die sie auch wirklich benötigen. Dieses Argument findet auch Verwendung in der Diskussion rund um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) und diverse andere Sozialleistungen. Da diese nur bei Bedürftigkeit ausbezahlt werden würden, wären sie gerechter, günstiger, schlicht vernünftiger und kein „linker Luxus“, der dann ja doch nur den Reichen zu Gute kommt. Was ist also dran?

 

Tatsächlich bekommen bei elternunabhängigen BaFöG auch die Kinder reicher Eltern einen Betrag überwiesen, der idealerweise zum Leben und Studieren reicht, ohne dass eine wesentliche Nebenbeschäftigung hierzu nötig wäre. Total ungerecht, oder nicht? Wenn das Geld für das BaFöG vom Himmel fallen würde, wäre dies tatsächlich ungerecht, da es andere nötiger hätten, als die Kinder aus Akademiker*innenhaushalt, die meistens keine materielle Not leiden müssen. Tatsächlich muss dieses Geld jedoch zunächst über Steuern eingetrieben werden.

Hierzu ziehen wir folgendes vereinfachtes Beispiel zu Rate. Nehmen wir an, dass in allen Familien junge Menschen an die Universität gehen und studieren. Diese Familien sollen über unterschiedliches Einkommen verfügen. Darüber hinaus gibt es ein elternabhängiges BaFöG, das den Betrag, der ohnehin von den Eltern bezahlt wird (die in diesem Beispiel freiwillig so viel zahlen, wie sie ökonomisch in der Lage sind), auf z.B. 800€ aufstockt. Nun wird ein elternunabhängiges BaFöG eingeführt, das allen Studierenden 800€ im Monat auszahlt. Um diese Maßnahme zu finanzieren, wird jede Familie entsprechend dem Betrag besteuert, den diese Familie ohnehin ihren Kindern für die universitäre Ausbildung zahlen würden. Et voilà: Keine Familie wird in diesem Beispiel finanziell zusätzlich belastet, es findet lediglich eine Umverteilung von der Elterngeneration zur Studierendengeneration statt. Elternunabhängiges BaFöG ist in diesem Beispiel genauso teuer wie die elternabhängige Version, auch wenn das dafür nötige Steueraufkommen gestiegen ist.

Was kann uns dieses Beispiel zeigen? Zunächst zeigt es, dass elternunabhängiges BaFöG nicht unbedingt deutlich teurer sein muss. Wenn wir zu Grunde legen, dass heutzutage (leider!) junge Menschen aus reicherem Elternhaus häufiger zur Universität gehen, also solche aus einfacheren Verhältnissen, kann ein progressives Steuersystem prinzipiell genutzt werden, um die anfallenden Kosten fair zu verteilen. Da bei einer Finanzierung durch ein progressives Steuersystem die einkommensstärkeren Schichten tendenziell überproportional an der Finanzierung beteiligt werden sollten, würde ein elternunabhängiges BaFöG eine Umverteilung von oben nach unten darstellen. Tatsächlich gibt es jedoch auch Gruppen, die zahlen, ohne etwas als Gegenleistung zu bekommen. Das sind diejenigen Familien, in denen niemand ein Studium anstrebt. Die einkommensschwächeren unter ihnen werden durch das progressive Steuersystem nur begrenzt an der Finanzierung beteiligt, gleichzeitig könnte gerade für Jugendliche aus ärmeren Familien die Umstellung aus dem elternabhängigen System einen Anreiz darstellen, ein Studium aufzunehmen.

In diesem Sinne wäre das Argument gegen das elternunabhängige BaFöG, das auf einer ungerechten Finanzierung beruht und betont, dass nur Reiche davon zusätzlich profitieren würden, wesentlich entkräftet. Was bleibt von der Diskussion? Alle guten Argumente für die Umstellung. Das Studium soll für alle Menschen offen stehen, egal ob arm oder reich, ohne die Einkommensverhältnisse der Eltern offen legen zu müssen, ohne ständig Behördengänge absolvieren zu müssen. Junge Menschen sollten unabhängig von ihren Eltern entscheiden können, was sie studieren wollen. Es wäre viel gewonnene Freiheit, die nur wenig kostet.

 

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6 Responses to „Elternunabhängiges BaFöG ist viel zu teuer und ungerecht“ – Achja?

  1. xyz says:

    Skurrilerweise ist selbst die Entscheidung ob ein erwachsener Student mit 200+Euro Rundfunkgebühren im Jahr belastet wird oder nicht, abhängig vom BaFöG-Empfang und damit vom Einkommen der Eltern. Eigentlich sind das himmelschreiende Ungerechtigkeiten, die aber heute leider nur noch wenige Student*innen zu jucken scheinen.

    • Moro em Campinas sp, e não tenho do que reclamar sobre emprego da cidade,alem de ter ótima qualidade de vida,só o transito meio caótico semelhante ao de São Paulo sp,e de prefeitos que só pensão em roubar.

    • http://www./ says:

      Alltså ja det finns, men det finns också likheter. Jag håller med din teori men tror också att man försöker skapa en manipulerad kontrast mellan väst och mellanöstern i helhet då man inte uppmärksammar likheterna (de finns) lika mycket som man uppmärksammar skillnaderna. Sedan var min kommentar lite flummig och den på ett annat inlägg med hehe.

    • http://www./ says:

      Nem sei como é que o entrevistado não lhe respondeu: „Tás asno!? Não vês que são as docas cá do sítio?“.Está muito bonita a foto. Fez-me lembrar uma viagem que fiz.

    • Try this. Think of something you consider a truly original creation, then google it and look up how many references to past work it actually incorporates. If you can find something that, beyond reasonable doubt, is completely original, please reply with a link. Otherwise, I think it’s more of a stereotypical assumption to believe that there is such a thing as “real originality and true genius” in the first place, and the idea of plagiarism is based on that very assumption.

  2. Seigopo says:

    Ich finde die Voraussetzungen unfähr, die erfüllt werden müssen, damit überhaupt Anspruch auf elternunabhängiges Bafög besteht. Wer ein paar Jahre ALG2 dazwischen hat, fällt schon nicht mehr mit rein.

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