AIDS geht uns alle an!

 

„Mit AIDS ist man der einsamste Mensch auf dieser verdammten Welt …“ (Thierry Le Luron)


Hast du schon mal einen AIDS-Test gemacht? Bis mensch das Ergebnis erhält, dauert es mindestens eine Woche. Für viele Menschen bedeutet das unsicheres Warten. Und inständiges Hoffen. Nein, nicht nur in Ländern wie Afrika. Auch hier in Deutschland. Nein, nicht nur für homosexuelle Menschen. Für Menschen jeglicher sexueller Orientierung.

Ende 2012 leben nach den Ergebnissen der aktuellen Schätzung etwa 78.000 Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland (http://www.vergissaidsnicht.de/uploads/media/zahlen_HIV.pdf), alleine in Baden-Württemberg waren es Ende 2009 ca. 6.700 Menschen (http://www.vergissaidsnicht.de/uploads/media/Aids_Zahlen_BadenWuerttemberg.pdf).

Auch du könntest einen Menschen kennen, der HIV-positiv ist. Es gibt sie in deiner Nachbarschaft, sie sitzen mit dir im Bus, gehen bei dir im Supermark einkaufen, sie arbeiten bei dir um die Ecke, sie lachen, sie weinen, sie lieben – und sie leben. Wie wir alle. Unter uns – Mit uns?
Noch immer fühlen sich Menschen mit HIV ausgeschlossen. Wie Aussätzige.
Obwohl es längst Medikamente gibt, die Menschen mit HIV ein normales und vor allem langes Leben ermöglichen – wer sich heute im Alter von 20 infiziert, kann damit rechnen, noch weitere 50 Jahre zu leben – und auch wenn die Lebenserwartung kontinuierlich steigt, ist und bleibt AIDS eine unheilbare Krankheit.
Und obwohl sich unglaublich viele Institutionen und Menschen darum bemühen, aus dem Tabu-Thema AIDS endlich ein Querschnittsthema zu machen, existiert unglaublich viel an Vorurteilen, unfassbar viel an Unwissenheit in unserer doch so aufgeklärten Gesellschaft.

Wie überträgt sich AIDS? Ist diese Krankheit ansteckend? Wie kann ich mich und andere schützen? Kannst du diese Fragen ausreichend und mit Sicherheit beantworten? Bist du informiert? Schützt du dich – und andere?

Ich war 14 als ich begreifen musste, dass HIV auch hier existiert, dass auch hier Menschen an AIDS sterben. Ich musste erleben, wie AIDS-Kranke behandelt werden, sowohl in ihrem eigenen Umfeld als auch von der Gesellschaft im Allgemeinen. Auf welche Vorurteile sie treffen. Und wie wenig die Menschen darüber wissen. Es gibt AIDS-Cafés in unseren Städten, wo sich Betroffene, deren FreundInnen und Angehörige treffen und austauschen können. Es gibt AIDS-Hilfen, an die Mensch sich wenden kann – dort gibt es Infos, Rat und Hilfe. Aber dies alles findet in meiner Wahrnehmung immer noch zu sehr am Rande der Gesellschaft statt. Denn trotzalledem überreicht die Bäckerei-Verkäuferin dem AIDS-Kranken an der Theke die Tüte mit gespitzten Fingern.

Mich hat das damals sehr wütend gemacht, sehr hilflos auch. Ich wusste ja selbst nicht viel, auch ich musste mich informieren. Ich musste auch lernen, mich großen Fragen des Lebens zu stellen – vor allem aber musste ich lernen, mit dem Tod umzugehen. Und damit, dass mensch nicht allen helfen kann. Irgendwann war mir klar, dass Menschen nicht umsonst sterben dürfen, dass wir aufstehen müssen – um Schweigen in Worte umzuwandeln.

Mensch kann in der Schule damit anfangen – aufklären, über AIDS reden. Fragen beantworten. Erklären, dass Safer Sex aus mehreren Gesichtspunkten wichtig ist. Über AIDS informiert zu sein, ist der beste Schutz. Mensch kann BotschafterIn bei „Gib AIDS keine Chance“ werden. Mensch kann sich ehrenamtlich in der AIDS-Hilfe engagieren. Mensch kann bei „Jugend gegen AIDS“ mitmachen. Mensch kann Schleife zeigen – nicht nur am alljährlichen Welt-AIDS-Tag. Das Wichtigste aber ist es, sich selbst und auch andere zu schützen, AIDS zu thematisieren und Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Aber wir müssen nicht nur über AIDS reden, wir müssen auch über den Tod reden. In unserer Gesellschaft ist kein Platz für Krankheit, für Leben mit Krankheit und schon gar nicht ist Platz fürs Sterben. Ja, das sind unangenehme Themen, aus denen sich unangenehme Fragen ergeben. Aber irgendwann werden diese Fragen jede/n von uns betreffen, auf welche Weise auch immer. Solange wir darüber nicht reden, lassen wir Menschen alleine. Junge Menschen, alte Menschen. Frauen, Männer, ja, auch Kinder. Menschen.

Menschen mit AIDS ein normales Leben zu ermöglichen, ist durch Medikamente alleine nicht getan. Dazu muss AIDS endlich enttabuisiert werden. Am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit, in den Schulen – überall.

Dafür kann jede/r etwas tun. Egal wo, egal wie. Auch du.
Heute, am 1. Dezember, ist wieder Welt-AIDS-Tag. Ich werde Schleife zeigen – du auch?

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One Response to AIDS geht uns alle an!

  1. J. says:

    Hi,
    ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die von dir empfohlene Gruppierung ‚Jugend gegen Aids‘ sehr fragwürdige Plakate verteilt, e.g.: http://www.jugend-gegen-aids.de/aktuelles/kampagne/ .Menschenverachtende Plakate die sich lächerlichen Stereotypien bedienen sind dort zu finden, e.g.: „Du knallst die Typen haufenweise, sie stöhnt laut und du stirbst leise“ (Quelle:siehe Link).
    Kann die Mitarbeit in der o.g. Gruppe deshalb nicht empfehlen.

    Sozialistische Grüße

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